Rom als Weltreich

 

 

 In der Theorie war die Regierung des Staates zwischen Senat und princeps geteilt: eine partnerschaftliche Machtteilung - eine Diarchie. In der Praxis jedoch entschied der Wille des Kaisers.

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 DER KAISER

Der Kaiser war de facto Alleinherrscher. Seinem Willen war nicht nur sein persönlicher Stab, sondern auch der Senat unterworfen (den freilich die meisten der frühen Kaiser respektierten).

 DER RAT

Augustus schuf einen politischen Rat (consilium principis) - einen ständigen Ausschuß von Senatoren, mit denen der Kaiser alle Angelegenheiten beriet, bevor sie dem Senat unterbreitet wurden.

 DER SENAT

Der Senat behielt eine Reihe von Kompetenzen. Er verwaltete bestimmte Provinzen, ernannte deren Statthalter (die Prokonsuln) aus den Reihen ehemaliger Konsuln und Magistrate und regierte nominell Italien. Unter Augustus erhielt der Senat erweiterte legislative Gewalt; Gesetze brauchten nicht mehr von der Volksversammlung ratifiziert zu werden. Dazu übernahm der Senat die Funktionen eines hohen Gerichtshofes, dessen Sitzungen vom Konsul geleitet wurden, wenngleich der Kaiser auf eigenen Wunsch selbst Urteile fällen konnte. Steuereinnahmen aus den senatorischen Provinzen und Italien wurden vom Senat für die Instandhaltung öffentlicher Einrichtungen sowie für die Finanzierung kultischer Zeremonien einbehalten.

 DIE MAGISTRATE

Die verschiedenen Magistrate wurden weiterhin von der Volksversammlung in ihre jeweiligen Ämter gewählt, die sich seit republikanischer Zeit nicht wesentlich verändert hatten - nur dass die Prätoren jetzt den Staatsschatz (aerarium) von den Quästoren übernahmen. Ehemalige Magistrate mit ihrer administrativen Erfahrung stellten ein Reservoir dar, aus dem oft Prokonsuln kamen.

 DIE STAATSKASSE

Augustus war auf eine riesige Armee angewiesen, die das Fundament seiner Macht darstellte. Aus ihren Reihen ernannte er unter anderen seine Sekretäre und Buchhalter (procoratores fisci) für die Verwaltung seines Privatvermögens (patrimonium) sowie der kaiserlichen Kasse (fiscus), der Steuern aus den kaiserlichen Provinzen zuflossen und die den Unterhalt von Armee und Flotte sowie die Verwaltung dieser Provinzen finanzierte und für die Getreideversorgung Roms aufkam. Der Kaiser liess eigene Gold - und Silbermünzen prägen, während der Senat für die Prägung von Kupfermünzen zuständig war.

 DIE BEAMTEN

Zur Bewältigung der vielfältigen Staatsangelegenheiten, die seiner persönlichen Kontrolle unterstanden, schuf Augustus ein eigenes Beamtentum. Das Personal rekrutierte er aus den equites ( Freigeborene mit bestimmten Vermögensvoraussetzungen). Aus dieser Gruppe (ordo) wurden auch die Geschworenen gewählt und in die drei Geschworenenlisten (decuriae) aufgeteilt. Eine Vielzahl von Ämtern stand den Mitgliedern der ordo offen. Die meisten begannen ihre Laufbahn im Militärdienst und wechselten in zivile Ämter der senatorischen oder kaiserlichen Provinzen über. Die Erfolgreichsten hatten die Chance, Kommadeur der Prätorianergarde zu werden- einer persönlichen Leibwache die Augustus 27 v. Chr. aufstellte. Das Beamtentum wurde zu einem wichtigen Element der Verwaltung.

 DIE ARMEE

Die Armee war dem Kaiser direkt unterstellt: er zahlte den Sold, ernannte ihre Kommandeure und setzte sie nach Belieben in den kaiserlichen Provinzen ein. Die wichtigeren Provinzen wurden von legati Augusti pro praetore verwaltet, die dem Senatorenstand angehörten; die weniger wichtigen von procuratores aus dem Ritterstand. Bei Bedarf konnten zwei zusätzliche Konsuln als Statthalter dienen.

 DIE BÜRGERSCHAFT

Die Volksversammlung trat unter Augustus noch eine Zeitlang zusammen, und theoretisch hatte jeder Bürger das Recht, für oder gegen neue Gesetze zu stimmen. In der Praxis freilich bedeutungslos, wurde dieser Brauch bald ganz aufgegeben. Bürger, die bestimmte Herkunfts- oder Vermögensvoraussetzungen erfüllten, konnten Senatoren oder Beamte werden.

 

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