Kaiserstadt Augusta Treverorum (Trier)

 

Als um die Mitte des 3 Jh. das römische Reich sich in einer Jahrzehnte hinstreckenden Finanzkrise befand, sowie Schwierigkeiten an den Grenzen des Reiches, die im Norden u.a. zum Verlust des obergermanischen Limes (zwischen 254 und 260) und der Rücknahme der Reichsgrenze an den Oberreihn führten, sorgten Machtkämpfe wieder einmal für Unsicherheiten.

Die Römerbrücke in Trier mit Stadtmauer und der prächtigen Großbauten um 300 n. Chr.

Rekontruktionszeichnung von Lambert Dahm erschienen in "Stadt und Leben in römischer Zeit",Verlag der akademischen Buchhandlung Interbook Trier 1991

In einem solchen Zusammenhang steht auch die Ausrufung des Nebenkaisers und Usurpators Postumus (260-269) durch meuternde Soldaten, der sich der Zentralgewalt widersetzte und ein gallisches Sonderreich ausrief. Er machte Trier zur Hauptstadt Galliens und wählte Köln zu seiner Residenz, residierte allerdings auch zeitweise in Trier. Nach seinem Tod trat der Gardepräfekt Victorinus (269-271) die Nachfolge an, der 271 Mörderhänden zum Opfer fiel. Nachfolger von Victorinus wurde Tetricus (271-274), er war der letzte der gallischen Sonderkaiser und verlegte wegen der Unsicherheit in den Rheinstädten seine Residenz nach Trier. Kaiser Aurelian (270-275) gelang es, wieder Ordnung zu schaffen und Gallien im Jahre 274 nach der Kapitulation des Tetricus in das Gesamtreich zurückzuführen. Nur kurz nach der Ermordung des Kaisers im Jahre 275 erhoben sich abermals die Germanenstämme, überrannten den Limes und drangen durch das nördliche Gallien bis zur Loire vor. Die Jahre 275-276 werden zu den größten Unglücksjahren für die betroffenen Gebiete. Trier wurde trotz seiner guten Befestigung eingenommen und teilweise verwüstet, die Blütezeit der Stadt und des Umlandes war vorüber. Das schwer getroffene Umland wurde weitgehend entvölkert, der Bauernstand, einschließlich der Besitztümer des Trevereradels mit seinen Luxusvillen, war so gut wie vernichtet. Diese Katastrophe wird als das tiefgreifendste Ereignis im Trevererland angesehen.

Doch die Bedürfnisse des täglichen Lebens machten bald weitgehende Maßnahmen erforderlich. Zu Ihnen gehörte auch die Wiederbesiedlung des Umlandes, die staatlichen Domänen nehmen mit neuen Kräften, zum Teil Germanen, die auf diese Weise seßhaft gemacht wurden, die Arbeit wieder auf. Das Land erblühte bald wieder, so daß sich um die Mitte des 4 Jh. wieder Prunkvillen nachweisen lassen.

Für die Stadt folgten nicht lange nach der Katastrophe politische und gesellschaftliche Veränderungen, die von großem Nutzen sein sollten. Was für Trier als Hauptstadt des gallischen Reiches und Residenz der Sonderkaiser begonnen hatte, sollte sich durch die neuen Verhältnisse in einer nunmehr rechtlich gestützten Form weiterentwickeln.

Die Größe des Reiches und die politischen Verhältnisse forderten die Präsens einer Autorität in der Nähe der Ereignisse. Kaiser Diokletian 284-305) versuchte durch eine Teilung des riesigen Territoriums diesen Erfordernissen gerecht zu werden und ernannte für sich und seinen Mitregenten Maximian jeweils einen Caesare, Constantius und Galerius. Das Reich wurde nun viergeteilt zu einer Tetrarchie (Viererherrschaft): Diokletian übernahm die Ostprovinzen, Galerius den Donau- und Balkanraum, Maximian behielt Italien und Afrika, während Constantius Spanien, Gallien und Britannien regierte.

Constantius machte Trier im Jahre 293 zu seiner Residenz, obwohl er, durch die politischen Ereignisse bedingt, auch zeitweise in York (Britannien) residierte. Darüber hinaus wurde Trier Hauptstadt eines der zwölf neugeschaffenen Verwaltungsbezirke (Diözesen), welche jeweils mehrere der über 100 Provinzen des Reiches erfaßten. Die Diözese Galliarum, wie der von Trier aus verwaltete Bezirk genannt wurde, umfaßte acht Provinzen. Im Zuge der gleichen Neuordnung wurde auch die alte Provinz belgica in die Provinzen belgica prima und belgica secunda aufgeteilt, wobei der alte Sitz der Statthalterschaft in Reims für die belgica secunda erhalten blieb, während Trier Sitz des Präses der Provinz belgica prima wurde. Kaiser Constantin faßte um 318 nochmals mehrere Diözesen zu der übergeordneten Verwaltungseinheit der Präfektur, einer zivilen Verwaltungseinrichtung zusammen. Der Praefecturia praetoria Galliarum gehörten vier Diözesen an, deren Verwaltungssitz Trier war. Das von hier, durch den Praefectus praetorio Galliarum verwaltete Gebiet reichte vom heutigen Nordengland bis nach Nordafrika in das heutige Land Marokko. Durch die Konzentration dieser ganzen Verwaltungen, die ein riesiges Gebiet zu betreuen hatten, waren neben den Verwaltungs- und Repräsentationsbauten eine Vielzahl von Wohnungen für die sicherlich umfangreiche Beamtenschaft erforderlich.

Die Kaiserthermen (Wohnpalast des Kaisers) um 350 n. Chr.

Rekontruktionszeichnung von Lambert Dahm erschienen in "Stadt und Leben in römischer Zeit",Verlag der akademischen Buchhandlung Interbook Trier 1991

Nach dem Tod von Constantius Chlorus wurde sein Sohn Constantin Nachfolger, der von 306 bis 312 stets, danach nur noch gelegentlich in Trier residierte. Nach seiner im Jahre 324 erlangten Alleinherrschaft verlegte er seine Residenz in das neugegründete Constantinopel. Seine Hinwendung zum Christentum sollte auch für Trier bedeutsam sein. Die Verwaltung des Westreiches übertrug er zunächst seinem Sohn Crispus. Nach dessen Tod übernahm sein Bruder Constantinus II diese Aufgabe. Er trat auch nach dem Tod seines Vaters im Jahre 337 dessen Nachfolge an und residierte bis zum Jahre seines Todes 340 in Trier. Ihm folgt sein jüngerer Bruder Constans auf den Thron, der die Alleinherrschaft über das Reich bis zum Jahre 350 ausübte.

Es war eine ungute Zeit, die neben den Machtkämpfen um den Kaisertitel, bei denen man selbst nicht vor Mord und Totschlag zurückschreckte, auch durch die Raub- Beutezüge der verschiedenen Germanenstämme geprägt war, welche das Land schwer trafen.

Die eingebrochenen Alamanen und Franken konnten im Jahre 357 zwar nochmals besiegt und zurückgedrängt werden, aber die alte Sicherheit und Ruhe kehrte nicht wieder ein.

Von 367 - 375 residierte Kaiser Valentinian und nach seinem Tod sein 16jähriger Sohn Gratian (375-383) in Trier. Unter Gratians Regierungszeit blühten Stadt und Land erneut auf.

Nach seiner Ermordung im Jahre 382 residierte der Usurpator Maximus in Trier, der im Kampf um die Herrschaft 388sein Leben verloren hat. Ihm folgte der legitime Augustus des Westens Valentinian II., der etwa nur zwei Jahre 389-390 in Trier residierte, er war der letzte Kaiser, der in Trier Hof hielt.

Mittlerweile hatte die Zeit der Völkerwanderung begonnen, durch welche zunächst insbesondere der Ostteil des Reiches durch einbrechende Stämme der Ostgermanen in große Bedrängnis geriet. Der Zerfall des römischen Reiches hatte begonnen.

Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt, wahrscheinlich kurz vor dem Jahr 400, wurde die Präfektur von Trier nach Arles verlegt. Durch Abzug der Truppen im Jahre 406 wurde die Gefahr für das Land fast zur Wehrlosigkeit gesteigert, so daß der große Einbruch germanischer Stämme zum Jahreswechsel 406-407 über den Rhein und weiter nach Westen nicht aufzuhalten war.

Schätzungen gehen davon aus, daß Trier nach der Mitte des 4. Jh. bis zu 50.000 Einwohner gezählt hat und damit den Höchststand erreicht hatte. Nach der Verlegung des kaiserlichen Hofes um 390 nach Mailand und den Abzug der Präfektur wohl um 400 nach Arles, nahm die Bevölkerung nicht nur durch den Abzug der Verwaltungsbeschäftigten merklich ab, vielmehr bevorzugten viele Bürger ruhigere und weniger gefährdete Provinzen.

Trier hatte seine Bedeutung als Metropole des Westens, die man noch wenige Jahrzehnte zuvor neben Rom, Alexandria und Konstantinopel zu den Weltstädten zählte, von wo aus einmal ein Gebiet, das wie gesagt von Nordafrika bis in den Norden Englands reichte, verwaltet und regiert wurde, verloren. Die ‘’Roma secunda”, das zweite Rom, wie man Trier auch damals gerne nannte, hatte ihre bedeutendste Zeit hinter sich.

  

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